Archiv des Tages: 19.02.2026

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Frank Hausdörfer auf der Seidenstraße

Vom 13. bis 19.11. 2025 fand in der chinesischen Hauptstadt Peking der „3. Kongress über internationale Zusammenarbeit im Bereich Kultur und Fotografie, sowie über allgemeine wirtschaftliche Zusammenarbeit“ statt. Zu der Veranstaltung hatten der Leiter des FIAP-Büros Chinas, Lu Ming, und das Komitee der „Seidenstraße“ eingeladen. Teilnehmer aus vielen Ländern waren dieser Einladung gefolgt.

Ausländische Gäste werden von den Organisatoren der „Silk Road“ NGO empfangen

In der Diskussion am ersten Abend wurde über den Einfluss von KI auf die Fotografie gesprochen. Die Standpunkte sind so kontrovers, wie einige Jahre zuvor das Thema Composing und damit verbundene „Bildmanipulationen”, die die Kritik von Fotografen auf den Plan rief.

Einer der drei europäischen Vertreter war Frank Hausdörfer, Vizepräsident der IIWF1, aus Eisenach. Die beiden anderen Teilnehmer waren Riccardo Busi, der Präsident der FIAP2 aus Italien, und die KI-Professorin Susana Garcia aus Madrid.

Frank Hausdörfer
Internationale Tagung in Peking zum Thema „Kultureller Austausch“

Der Umgang damit spaltet die Community, so wie heute. Was für die einen ein Segen ist, hat für die anderen nichts mehr mit Fotografie zu tun. Ähnlich, aber noch gravierender, ist der Einfluss von KI auf die Bildbearbeitung. Für die Organisatoren von Fotowettbewerben stellt sich die Frage, wie sie die vielen Bilder kontrollieren sollen und welche Abweichungen sie tolerieren und welche zum Ausschluss führen. In neuen Kameras und vor allem Handy´s werden Tools mit KI-Unterstützung angewandt, so dass auch das „RAW“-Foto bereits bearbeitet ist.

Riccardo Busi berichtete in diesem Zusammenhang über die Zusammenarbeit der FIAP mit der PSA3, um gemeinsame Regeln für die Bereiche Natur, „Welt im Fokus/Travel” sowie Photojournalismus zu erarbeiten. Eine diesbezügliche Schulung der Juroren und Organisatoren ist zwar wichtig und vorteilhaft, lässt sich aber nicht innerhalb weniger Monate realisieren.

Wie immer bei solchen Diskussionen wurden Verbote oder eigene Wettbewerbe mit „manipulierten/KI-generierten Fotos” debattiert. Allen Teilnehmern war klar, dass sich dieser Trend nicht aufhalten.

Gerade in den Bereichen Marketing und Grafikdesign ist die Dynamik extrem hoch. Aber auch im Journalismus sind diese Routinen für Redakteure wichtig, die aufgrund von Kostendruck auch zu „Fotografen” gemacht werden, damit sie ihr Arbeitspensum in entsprechender Qualität bewältigen können.

Ein weiteres Thema beim Kongress war die zunehmende „Vergreisung” der Fotoverbände. So gibt es beispielsweise unterschiedliche Positionen zwischen jüngeren und älteren Fotografen bezüglich der Verwendung von KI. Das könnte Jugendliche davon abhalten, sich an den Wettbewerben der „Senioren” zu beteiligen oder gar Mitglied in deren Klubs zu werden. Frank Hausdörfer berichtete, dass auf dem Verbandstag des DVF4 in Dresden im Oktober beschlossen wurde, dass Jugendliche nur noch einen Beitrag von 6 € pro Jahr entrichten müssen.

Riccardo Busi wies darauf hin, dass die FIAP speziell eine Jugendbiennale organisiert, um junge Fotografinnen und Fotografen zu motivieren, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen.

Freie Rede von Frank Hausdörfer an der Universität Handan

Am zweiten Tag, auf dem Weg in die rund 600 Kilometer entfernte 9,2-Millionen-Einwohner-Stadt Handan erfuhr Frank Hausdörfer vom chinesischen Delegationsbetreuer, dass er eine Gastrede vor etwa 400 chinesischen Studierenden halten solle. Da er diese auf Englisch halten musste, war dies für ihn eine große Herausforderung. Seine Ansprache wurde anschließend vom Betreuer ins Chinesische übersetzt.

In seiner Rede hob Frank Hausdörfer hervor, dass die Menschen, die früher auf der Seidenstraße in den Westen gingen, um Handel zu treiben und sich auszutauschen, nicht wussten, ob sie überhaupt wieder nach Hause kommen würden. Die Seitenstraße war sozusagen das „Internet des Mittelalters”, über das neue Ideen in den Westen und westliche Werte in den Osten getragen wurden. Dadurch profitierten beide Kulturräume und konnten sich schneller entwickeln.
Hausdörfer empfahl den chinesischen Studierenden deshalb, die Möglichkeiten des Studentenaustausches zu nutzen, um sich einen persönlichen Eindruck von anderen Ländern und Kulturen zu machen.

Welche rasante Entwicklung China in den letzten Jahrzehnten genommen hat, konnten die Teilnehmer des Austausches an den weiteren Tagen in Handan und Peking erleben. Vor allem im Bereich der E-Mobilität ist China der „alten Welt“ voraus. Das wurde beispielsweise bei der Ladesäulen-Infrastruktur deutlich. Dort, wo in Deutschland eine Ladestation steht, sind es in Peking zwanzig. Ebenso beeindruckend war die „deutsche Pünktlichkeit” bei der Eisenbahn, die nicht nur die 600 km in zwei Stunden zurücklegte, sondern dabei auch auf die Minute genau am Ziel ankam.

Die Chinesischen Organisatoren waren immer bemüht eine Korrelation zwischen Geschichte und Moderne herzustellen. Beeindruckend für die Teilnehmer waren die Dimensionen der Produktionsanlagen. In einem Kaltwalzwerk, in dem es nur noch ein paar Mitarbeiter gab, die den Produktionsprozess kontrollierten, lief jede Minute eine Rolle Walzstahl mit einem Gewicht von 32 Tonnen vom Band. Hier wurden die Ängste der Westlichen Welt „materiell“. Die Größe der Anlage und damit die produzierte Menge an Walzstahl, sorgen für einen immensen Preisdruck in Europa und den USA.

Internationale Gäste zusammen mit Vertretern der Chinesischen Wirtschaft

In den Gesprächen mit verschiedenen Regierungsvertretern wurde deutlich, dass die Umwandlung der Volksrepublik China von einem Agrarland in einen modernen Industriestaat eine gewaltige Aufgabe ist. Diese stößt „täglich“ auf große Herausforderungen, deren Lösungen ein Motor für immer neue Innovationen sind.

Als Fazit dieser Woche lässt sich sagen: die „Seidenstraße“ könnte wie vor vielen Jahrhunderten ein Weg sein, um die komplexen und komplizierten Probleme unserer Welt gemeinsam, im Interesse aller anzugehen. Die Rückkehr in das finstere Zeitalter des „Kalten Krieges“ und der Kampf der Kulturen ist eine „Sackgasse“. Die enorme Aufrüstung und die alternde Gesellschaft sind zwei Konflikte, die auf den Rücken der „kleinen Leute“ ausgetragen werden. Die Renaissance des Faschismus ist ein Spiegelbild der Verunsicherung der Menschen, die durch Abschottung versuchen, ihren Standard zu erhalten.
Die zukunftweisende Frage wird sein, wer KI-Systeme entwickelt, zu welchem Zweck diese „aus-genutzt“ werden und ob es perspektivisch möglich ist, KI zu „kontrollieren“ oder mit KI zusammen, gesamtgesellschaftliche Lösungen zu finden.

1 Internationale Interessensgemeinschaft für Wettbewerbsfotografen

2 Fédération Internationale de l’Art Photographique

3 Photographic Society of America

4 Deutschen Verband für Fotografie